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„Gott ist die Liebe“ |
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Motto: 1. Johannesbrief, Kapitel 4, Vers 16 Violett, die Mischfarbe aus rot und blau: Die Liebe (rot) bewahrt ihre Treue (blau) auch im Leiden. „ Lila – der letzte Versuch!“ sagte mal eine launige Redensart. Ja: Gott geht mit seiner Welt bis an den Rand und an die Grenze, ja noch darüber hinaus! Er lässt nichts unversucht, um uns, die wir so oft drohen verloren und in die Irre zu gehen, zu erreichen, uns nahe zu sein, uns zu retten. Gottes unverstandene Allmacht kommt unter diesem violetten Schein, auf dem Weg zu Krippe und Kreuz, unter die Räder der Welt und beweist sich doch gerade da neu - in aller Ohnmacht. Denn gerade da ist sie stark, die Liebe: in der Hingabe, im Loslassen, um wieder neu anzufangen! Unter der Farbe violett bereitet sich deshalb die Kirche alljährlich vor, den Tod zu leben, d.h. bewusst zu leben, um zu sterben und einmal zu sterben, um zu leben. Violett ist die liturgische Farbe der Umkehr, der Buße, des Verzichtens und des Fastens, um sich Gott und seinem Kommen neu hinzuwenden, um sich so auf das schon verheißene neue Licht und Leben innerlich und äußerlich vorzubereiten, das mit Weihnachten und Ostern kommt. Ich meine natürlich die Advents- und Passionszeit, sowie den leider gesellschaftlich stark an den Rand gedrängten Buß- und Bettag! Wenn wir Gottes Advent, sein Kommen ins Dunkel und als Ende der Zeit, bedenken, und wenn wir uns in die Leidensgeschichte Jesu, in seine Passion, mit hinein nehmen lassen, dann halten wir das eigentlich nur aus, wenn wir in all dem Unfassbaren, damals, heute und wohl auch in Zukunft, auf Gottes wesenhafte Liebe vertrauen! Darum die neutestamentliche Grundvergewisserung: „Gott ist die Liebe“ – sie ist gerade in diesen langen Kirchenjahres-Abschnitten nötig. Die verwandten Symbole reden deshalb deutlich von der Kraft der Liebe in aller Not und Ohnmacht. Ketten zerspringen, die Bande des Todes halten uns Christen nicht auf ewig gefangen. Auch all die kleinen sichtbaren und unsichtbaren Ketten sind nicht unsere letzte Bestimmung, an die wir uns so oft legen oder legen lassen müssen im Alltag. Wo das Vertrauen auf Gottes Liebe durchgehalten wird, fallen die Ketten unserer Selbsterlösungsversuche ab, ist auch alle fremde Sklaverei bald am Ende. Jesus trug ja schon unsere Fesseln und Ketten, als er verraten und verhaftet wurde. „Wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen!“ (Mt 26, 52) Petrus musste es im Garten Gethsemane wieder einstecken und dann später versuchen zu verstehen, dass seit Jesu stellvertretendem Kreuzweg Gewalt und Aufopferung als Teufelskreisläufe endgültig enttarnt sind. Sie können für uns nichts wirklich lösen an Verstrickungen und Ungerechtigkeiten. Nur der Weg der Entfeindung, der Versöhnung und Vergebung im Schatten des Kreuzes erlöst und befreit uns zu neuen Wegen – Wegen der Liebe, der in Christus gebotenen Feindes- und Nächstenliebe, der Gottes- und gesunden Eigenliebe. Immer Liebe um ihrer selbst willen; immer Gott um Gottes willen, den Menschen um des Menschen willen: nie benutzt, gezwungen, stets unverzweckt, unberechnet und wunderbar unberechenbar. Darum ist die Vernichtung der Waffen, das Zerbrechen des Schwertes, eine gute und verheißungsvolle Weise des Fastens und Verzichtens als Vorbereitung auf Gottes Zeit und Erscheinen, an Weihnachten und Ostern und an jedem Tag. Gott ist die Liebe, und in unserem Lieben begegnen wir immer auch einem Stück von Gott. Gott ist die Liebe, und Liebe ist Beziehung, schafft eine heilsames „Zwischen“ (Buber) unter uns und gibt darin Gott selbst Raum zu lebendiger Veränderung und neuer Menschwerdung. Gott ist die Liebe, und Liebe erlaubt keine Opfer und Aufopferungen; genauso wenig erträgt sie die vereinnahmende oder missbrauchende Ausbeutung anderer, denn darin würde Gott selbst seines innersten Wesens beraubt. Liebe darf teilen und abgeben, kann aber auch dankbar nehmen. Gott ist die Liebe, und die Liebe, die am Anfang unseres Lebens bei der Zeugung stand, wird auch am Ende unseres Lebens auf uns warten und uns für immer bergen – fern aller Ketten und Schwerter. |