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„Ich bin, was ich tue!“ |
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C. S. Lewis (gest.1963): „I am what I do!“
Grün ist die Farbe der „normalen“, fast alltäglichen Sonntage im Kirchenjahr: In der langen Trinitatiszeit vom Sommer bis in den Herbst. Aber auch die weihnachtlich geprägte Epiphaniaszeit und die Wochen der Vorfasten gehören unter diese liturgische Paramentsfarbe. Und Grün ist eine positive Farbe, symbolisiert die Hoffnung und das Wachstum! Dinge, die das ganze Jahr über für unser Leben als Christen wichtig und nötig sind. Unter dieser Farbe wird uns Gottes Wort für die Wechselfälle des Lebens und in großer Themenbreite ermutigend und herausfordernd verkündet. Gott gehört eben nicht nur zum Sonntag, sondern gerade auch in den Alltag unsere Existenz. Deshalb liegt bei dieser Inschrift der Schwerpunkt auf dem christlichen Handeln vor und in Gott. Prof. Lewis war Literaturwissenschaftler in Cambridge, Roman- und Kinderbuchautor. Er wurde mit 58 Jahren von Gottes Gegenwart im Alltag völlig überrascht und ergriffen: „Gott holte mich ein“, sagte er - und ließ sich taufen. Er erlebte: Gott bricht ein in mein selbstgezimmertes Gefängnis, vor Ihm fallen alle Masken und alte Hüllen! In seinem christlichen „coming out“ erlebte Lewis befreiend, dass er sein altes Ich verlassen kann, Gott ihn ganz und neu macht. Diese große Freiheit wird für ihn dann vor allem in der praktischen Übereinstimmung von Sein und Handeln sichtbar: „Ein Mensch ist am freiesten, wenn er, statt Motive vorzubringen, nur sagen kann: Ich bin, was ich tue.“ Bei Gott ist der Mensch ganz bei sich selber. Im Glauben, in großer Nüchternheit und Gelassenheit, erfahren Menschen ihre Ganzheit im Hier und Heute. So ist dies radikale Wort in keinem Fall richtend oder beschwerend zu verstehen; es geht kein Stück zurück hinter Luthers Rechtfertigungslehre, sondern liegt ganz auf seiner reformatorischen Linie (Freiheit eines Christenmenschen, zugleich Sünder und Gerechter zu sein, unser Sein ist im Werden, usw.) Gottes Liebe verurteilt uns nicht, legt uns nicht fest auf unsere Ferne zu ihm und uns selbst. Gottes Vergebung holt uns oft ein und lässt uns neu der oder die sein, den/die er so einmalig gewollt und geschaffen hat! Die Rechtfertigung des Sünders aus Gnade ist ja gerade die Befreiung zum neuen eins sein mit Gott und der Welt in den konkreten Vollzügen des Alltags. Wie oft sind wir eben nicht bei Gott und uns selbst: wir essen z.B. so nebenbei, beim Arbeiten oder Fernsehen; wir reden mit jemandem und sind in Gedanken schon wieder beim nächsten. Und wenn wir mal in der Kirche sitzen, wandern unsere Gedanken auch ... Wir verlieren leicht unsere Gegenwart und damit uns, unsere Mitte und unsere Kraft. Das ist gut, über einen langen Zeitraum immer wieder zu hören und zu üben: eins und ganz (altes Wort dafür: fromm!) zu sein. Ich bin mein Gebet. Ich bin meine Arbeit. Ich bin mein Kummer. Ich bin meine Freude... usw. Ich bin meine Zeit! Ungeteilt vor und in Gott sind wir, was wir sind: Eine geliebte Liebende, ein geliebter Liebender! Wer wir wirklich sind und was wir als Christen und von Gott Eingeholte deshalb zu hoffen und nicht zu befürchten haben, erzählen die Bilder des Behanges: Wasserkrug und Fackel. Manches fällt dazu ein! Das Wasser der Taufe, der Reinigung, des Neuanfangs mitten im Alltag. In alttestamentlicher Zeit goss man Wasser auf die staubigen Straßen als Zeichen der Buße und Umkehr! Wasser, das Zeichen des Lebens und die Vorraussetzung für alles Wachsen und Reifen. Vielleicht ist hier aber auch einer der Wasserkrüge zu sehen, aus denen Jesus auf der Hochzeit zu Kana wundervollen Wein ausschenken ließ als Vorgeschmack auf sein Reich? Die Fackel: Feuer läutert, reinigt, klärt die Dinge, die Bestand haben sollen. Und: Feuer ist seit Pfingsten das Symbol für die begeisternde Kraft des Heiligen Geistes! Zeichen der weltweiten Verständigung und urchristlichen Vollmacht der Kirche. Feuer ist aber auch gefährlich, kann zerstören und in Asche legen, an den Nullpunkt führen! Feuer aber, wohl gehütet, wärmt und leuchtet auch in der Nacht des Zweifels und der Anfechtung, und sein Schein zeigt uns auch unseren Schatten und die dunklen Seiten unseres Handelns und Seins. Martin Buber, der große jüdische Religionsphilosoph, erzählt dazu noch eine ganz andere Geschichte, die gut zur Unterschrift vom Sein im gegenwärtigen Tun, und die auch gut hier zu unseren Deckenbildern vom himmlischen Jerusalem und dem Höllenschlund gegenüber, passt: Die Heilige von Basra, eine Prophetin und Mystikerin (713 – 801), rennt laut rufend durch ihre moslemisch geprägte Heimatstadt: „Ich will Feuer ans Paradies legen und Wasser in die Hölle gießen, damit diese beiden Schleier verschwinden und es deutlich wird, wer Gott aus Liebe, und nicht aus Höllenfurcht oder aus Hoffnung aufs Paradies anbetet!“ Wer also sein Sein in seinem Handeln gegenwärtig lebt und verantwortet, der braucht nichts mehr aus Angst oder Zwang zu tun. Schon gar nicht kann ich meinen Glauben und Gottes Gegenwart im Gottesdienst feiern, wenn ich nicht ganz unverzweckt dabei bin, sondern alles im Grunde nur aus Angst vor Strafe oder aus Spekulation auf eine ferne Belohnung tue! Gott möchte gedient und geliebt werden nur um seiner selbst willen! Ganz so wie er auch uns liebt und uns hilft: um unserer selbst willen, bedingungslos, gnädig, barmherzig! Die Liebe ist immer ein Kind der Freiheit: Keine Macht, keine Institution kann sie befehlen, kein Mensch und kein Gott kann sie einfordern! Wo Gottesdienst in dieser ungeschuldeten Freiheit gefeiert wird, enden alle fundamentalistischen und autoritären religiösen Systeme, die soviel Not und Unheil anrichten bis heute. Ich bin, was ich tue. Tricks und Berechnung, Machtgelüst und Druck vertreiben mich aus der lebendigen Gegenwart des Gottes, der die Liebe ist und meine Liebe möchte! Und wer lernt, interesselos zu lieben, der ist Liebe und der ist in Gott. |