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„Gott ist genug“ |
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Rot als Farbe der Liebe ist die festliche Farbe der Kirche. Zu Pfingsten, Reformationstag, Konfirmation und verschiedenen Bittagen für die Kirche und den Frieden in der Welt. Gottes Liebe, sein Gestalt gewordener, heilsamer Segen wird gefeiert und will stets neu erbeten und vertrauensvoll zugesprochen sein. Gott als barmherziger Herr seiner Kirche schenkt in Christus selbst das voll genügsame Maß für seine Gemeinde. Er ist ihr Ursprung und bleibt ihr Ziel. Sein Wort, dies Leben stiftende „Ja“, ist die Mitte und der Grund allen kirchlichen Redens und Handelns. Mehr als Gott brauchen wir nicht, bekommen wir nicht; in ihm und aus ihm findet die Gemeinde Fülle und Genüge für dankbare und auch für schwere Tage. Oder mit alttestamentlichen Worten: Der Herr ist mein Hirte – mir wird nichts mangeln... (Ps. 23) Der weise Schweizer Einsiedler Nikolaus von Flüe (1417 – 1582) schaute Christus einst in der Vision eines hell leuchtenden Rades. Gott offenbarte sich ihm in der Form eines fließenden, strömenden Lichtkreises. Der Kreis symbolisiert von alters her die Vollkommenheit und ewige Genüge Gottes, ohne Anfang und Ende. Die Vision erschrickt ihn sehr und wirft ihn völlig zu Boden, sie verändert sein ganzes Aussehen und Denken und Fühlen. Im Nachsinnen und Meditieren gewinnt in ihm langsam das göttliche Licht als das Angesicht Christi klarere Formen. In seiner Klause ließ er dann ein Gott-Jesus-Gesicht an die Wand malen im Zentrum eines Kreises. Von dieser Mitte des Seins und der Welt gehen zwei mal drei Strahlen je aus und ein. Gott fließt in die Welt aus und die Welt strömt wieder in ihn ein, so wie der tragende Atem unseres ganzen Lebens. Alles ist in und aus Gott. Auf dem dann später immer umfangreicher gewordenen Meditationsbild gehen von der göttlichen Mitte je ein Strahl aus vom Auge, vom Ohr und vom Mund. D.h.: Die Liebe Gottes in Christus lässt sich geschichtlich tief ein und nimmt die Welt leibhaftig wahr im Sehen, Hören und Antworten! Gott hört den Klang seiner Schöpfung, sieht Leid und Schmerz in der Welt und antwortet berührt mit seinem versöhnenden, rufenden Wort. Diese Grundwirkungen des göttlichen Wesens werden zentral sichtbar in Schöpfung, Passion und Verkündigung. Sie wollen dann in der dreifachen Gegenbewegung die Menschen in seinem Geist und Tun zurückbringen zu ihm und seiner (und d.h. ihrer!) Mitte: die drei anderen Strahlen führen uns also zurück ins lichte Zentrum und kommen, in der erweiterten bildlichen Form, aus den Darstellungen der Geburt Jesu, seiner Verhaftung im Garten Gethsemane und aus einer (schon gottesdienstlichen) Abendmahlsszene. Die umfassende Bewegung Gottes in die Welt hinein möchte Glauben und Vertrauen wecken und wartet auf Resonanz; Bruder Klaus weist mit seinem Meditationsbild aber auch darauf hin, dass dieser mystische Weg Gottes auf das Ja der Menschen angewiesen ist, wenn das Bild rund und fließend bleiben soll! Christi Geburt braucht zuvor die Einwilligung der Maria. Golgatha gibt es nicht ohne den Kampf Jesu in Gethsemane, und die versöhnende Gemeinschaft im Heiligen Abendmahl bedarf bis heute immer neu meiner nach dem „Für Dich gegeben!“ ausgestreckten Hand, damit mein Leben in den Strom der Liebe und Genüge Gottes gerät! Das Meditationsbild des Bruder Klaus hat noch viele weitere Schichten. Dies zentrale Radmandala aus alter christlich-mystischer Tradition hier möchte uns gerade an den Festen unserer Kirche einladen, neu nach der Mitte unseres Gemeindelebens zu fragen: Jesus Christus, das fleischgewordene Ja der Liebe Gottes, in der alles beginnt und endet, war und ist und sein wird. Da ist genug und Genüge für alles und alle! Ja: „Solo dios basta!” |
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