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„Du in mir -  ich in Dir“


Das Motto: Ein Gebetsruf aus alter christlich-mystischer Tradition (Autor unbek.)

Weiß ist die Farbe des Festes, der Freude und des ewigen Lichtes. Aber auch der Unschuld und des Neubeginns. Weiße Kleider tragen die Bräute zur Trauung und die kleinen Täuflinge zur Taufe, weiße Kerzen schmücken festlich unseren Altar. Heller Glanz kündet von der Nähe und Liebe Gottes auf Erden und in unserem Leben. Da ist es nicht verwunderlich, wenn das weiße Parament zu den großen kirchlichen Feiertagen gehört: zu Weihnachten, über die Jahreswende bis zum 6. Januar, dem Epiphaniasfest, dem alten (orthodoxen) Weihnachtstermin, auch am Gründonnerstag, dem Tag der Einsetzung des Heiligen Abendmahles, dem Vorgeschmack des Himmels, durch den scheidenden Jesus, dann in der ganzen Osterzeit natürlich bis zum Sonntag Exaudi, wieder am Trinitatisfest, aber auch an Johanni und Michaelis, sowie am Ewigkeitssonntag, der liturgisch viel mehr ist als nur ein Totengedenken.

Die Freude über Gottes Nähe findet an den Festen der Kirche Ausdruck in großem Lobpreis, Gesang und reichhaltigen Gottesdienstformen. Aber Beter in vielen kirchlichen Traditionen haben daneben auch immer wieder die persönliche Andacht in der Stille gesucht, um Gott zu begegnen. Namen wie Meister Eckhart, Tauler, Johannes vom Kreuz oder auch Teerstegen (s. EG Nr. 165, 5) fallen mir dazu ein. Die Erneuerung, die Umkehr, das Spüren von Gottes Gegenwart sind gottesdienstliche Anliegen, die aber auch persönlich weiterentwickelt werden möchten in einem eigenen Frömmigkeitsstil, um dann in der Gemeinschaft der Liturgie festlich zusammen zu fließen, um sich gegenseitig zu bestärken.

Der alte Meditationssatz „Du in mir - ich in Dir“, langsam laut oder nur innerlich gebetet, eingepasst in das ruhige Ein- und Ausatmen, ist die sehnsuchtsvolle Bitte an Gott, er möge meinen Leib als seinen Tempel  bewohnen und im Gegenzug mich mitnehmen in seine alles umfassende ewige Seele. In steter Wiederholung breitet sich mit einiger Übung eine tiefe Stille und Geborgenheit kraft solchen Betens aus. Der Lärm meiner Gedanken kann langsam verstummen, und ich schaffe in meinem Herzen Raum: für Gott und sein Wort. Wenn wir vor dem Gottesdienst zeitig genug in der Kirche ankommen, hilft uns diese Weise der Meditation gut, uns von Herzen zu öffnen für das „Ganz Andere“, das von Gott her immer neu zu uns kommen möchte. Teerstegen: „Gott ist gegenwärtig, lasset uns anbeten... Gott ist in der Mitte, alles in uns schweige...“ (EG 165,1).

Auf dem weißen Festtagsparament sehen wir das goldene Herz. Symbol für die Mitte und Seele, die mit sich im Einklang ist, sich öffnet und weit über sich hinausleuchtet. Gottes Herz, mein Herz. Eins im anderen. Dies Herz bleibt aber auf Dauer nicht für sich allein in der Stille, sondern die zarten Flammen der Liebe brechen hervor und heben an, dunkle Wolken zu verzehren, die sich zwischen mich und Gott geschoben haben oder die zwischen mir und meinem Nächsten stehen. Alles wird frei und neu aus der Kraft Gottes, aus seiner Liebe und Nähe. Gottes Herz schlägt für uns, sichtbar im Kind in der Krippe, wie am offenen Grab in der klaren Ostersonne. Mein Herz darf das neue Leben mitfeiern und sich mit seinem eigenen Rhythmus da getrost hinein finden.

Auch eine alttestamentliche Deutung der Symbolik liegt natürlich nahe: Gottes Nähe offenbart sich Mose am brennenden Dornbusch, er zeigt sein großes Herz für sein Volk in Bedrängnis. Er lässt es auferstehen aus der ägyptischen Gefangenschaft und führt es in ein neues Leben. Und weil der Weg oft lang und gefahrenvoll ist, begleitet er es unterwegs in der Wüste mit seinem Gebot und Segen. Seine befreiende und bewahrende Hand erscheint am Tage in der voranziehenden Wolke und des Nachts in einer Feuersäule.

Unser Leben sei ein Fest: Gott ist da. Gott geht mit. Er in mir, ich in Ihm. Gott will eins mit uns werden, in der Stille des Herzens, wie im Herzen der Gemeinde: im Gottesdienst.